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Informationen für Debian-Interessierte

von Gerfried Fuchs Version vom 20.07.2002

Was ist Debian?

Bei Debian handelt es sich um ein Projekt von Freiwilligen, hinter dem keinerlei kommerzielle Interessen stehen. Rund 1000 Entwickler arbeiten in ihrer Freizeit und unbezahlt an diesem Projekt.

Die Debian-Distribution basiert auf dem Open Source Prinzip [1], und die Anforderungen an die Software sind in der "Debian Free Software Guideline" (DFSG) [2] festgelegt. Ziel ist es, den Nutzern ein ausgereiftes und qualitativ hochwertiges System bestehend aus freier Software zur Verfügung zu stellen.

Um die Konsistenz der Distribution zu gewährleisten, verhält sich jedes Paket konform zu den Regeln der Debian-Policy [3]. Außerdem werden bestehende Standards, wie beispielsweise der "Filesystem Hierarchy Standard" [4], eingehalten.

Debian GNU/Linux ist neben der weit verbreiteten x86- auch für zahlreiche anderen Architekturen verfügbar, darunter ARM, PowerPC, SPARC, Alpha, Motorola 680x0, IA-64, HP PA-RISC, MIPS, und S/390.

Die Distribution kann von vielen FTP-Servern kostenlos heruntergeladen werden. Da es sich jedoch um große Datenmengen handelt (knapp 9000 Pakete), ist ein Download nicht zu empfehlen. Stattdessen empfiehlt sich der Kauf einer Debian GNU/Linux CD-ROM, wie sie von verschiedenen Firmen [5] angeboten wird.

Installation

Die Installation der Debian-Distribution ist mit etwas Sorgfalt und Aufmerksamkeit auch von einem Anfänger durchführbar. Mit der deutschsprachigen Installationsanleitung [6] kann man sich zuvor informieren, oder aber eventuell auftretende Probleme lösen.

Außerdem gibt es inzwischen eine Reihe Debian-spezifischer Bücher [7], die unter anderem auf die Installation und Einrichtung des Systems eingehen.

Aufbau der Distribution

Die Debian-Distribution gibt es in drei Ausführungen: "stable", "testing" und "unstable". Während die stable-Distribution ausgiebig getestet und bereit für den Produktionseinsatz ist, wird in testing die nächste Release vorbereitet - die eigentliche Entwicklung hingegen findet in unstable statt.

Jede Release trägt einen Code-Namen und eine Versionsnummer. Zur Zeit ist "woody" (3.0) die "stable", "sarge" die "testing", und "sid" die "unstable"-Distribution.

Der Aufbau der Distribution findet sich in der Verzeichnisstruktur der Installationsmedien und FTP-Server wieder. Die Einhaltung der korrekten Pfade ist die Grundlage von Debians Paketverwaltung. Deshalb ist beispielsweise die "stable"-Distribution immer in folgendem Verzeichnis anzutreffen:

.../debian/dists/stable/
Debian teilt die verfügbaren Pakete in drei Sektionen auf:
main: Die eigentliche Debian GNU/Linux Distribution, die ausschließlich freie Software enthält.
contrib: Die contrib-Sektion enthält freie Software, die ohne Programme oder Bibliotheken, die unter keiner freien Lizenz stehen, nicht ausgeführt oder kompiliert werden kann.
non-free: Software, die unter keiner freien Lizenz im Sinne der Debian Free Software Guideline [2] steht.
Beispiel: .../debian/dists/stable/main/
Die Debian-Distribution ist inzwischen für viele verschiedene Architekturen verfügbar (ix86, mk68, etc.). Die Pakete sind deshalb in Verzeichnissen wie "binary-i386" oder "binary-m68k" einsortiert. Architekturunabhängige Pakete sind in "binary-all" zu finden, Quellcodes der einzelnen Pakete in "source".
Beispiel: .../debian/dists/stable/main/binary-i386/
Zur leichteren Orientierung werden Pakete schließlich nach Verwendungszweck aufgeteilt: "admin", "base", "devel", "net", "news", "mail" etc.
Beispiel: debian/dists/stable/main/binary-i386/net/
Das Paket "ftp" der "stable"-Distribution für die x86-Architektur ist also an folgendem Platz zu finden:
.../debian/dists/stable/main/binary-i386/net/ftp-0.10-3.1
Die CD-ROMs der verschiedenen Händler halten sich nicht immer an dieses Schema. Beispielsweise ist der Inhalt des "non-us"-Servers gelegentlich als vierte Sektion neben "main", "contrib" und "non-free" zu finden. Im Normalfall ist die Verzeichnisstruktur aber analog zu den FTP-Servern aufgebaut.

Paketverwaltung

dpkg

dpkg ist das grundlegende Tool zur Paketverwaltung auf Debian-Systemen und wird vollständig über die Kommandozeile gesteuert. Im Gegensatz zu dselect und APT kann es Abhängigkeiten nicht selbständig auflösen. Hier sind die wichtigsten Befehle:

Paket "hello" installieren   dpkg -i hello-1.3-16.deb
Paket "hello" deinstallieren   dpkg -r hello
inkl. Konfigurationsdateien deinstallieren   dpkg --purge hello
Paket zu einer vorhandenen Datei suchen   dpkg -S filename
Dateien von "hello" auflisten   dpkg -L hello
Informationen über "hello" anzeigen   dpkg -s hello

dselect

Ein betagtes, aber m?chtiges Werkzeug für die Paketverwaltung ist dselect. Es kann Abhängigkeiten auflösen und Pakete unter anderem via FTP oder NFS, per Diskette und natürlich von CD-ROM installieren.
Die Bedienung und Benutzerfreundlichkeit von dselect ist zwar nicht unumstritten, aber wer die Bildschirm-Ausgaben und die Online-Hilfe liest, bekommt mit dselect ein mächtiges Tool zur Paketverwaltung.

APT

Das Installations- und Konfigurationsprogramm APT (Advanced Package Tool) verspricht höheren Komfort und mehr Übersicht als dselect:

Frei wählbare Quellen für die Installation mit Apt werden unter "/etc/apt/sources.list" [8] gespeichert. Sowohl eigene Laufwerke als auch FTP- oder HTTP-Server sind als Quellangaben möglich. Durch das Kommando "apt-cdrom add" werden automatisch Einträge für die Installation von CD-ROM erzeugt.

Hier sind ein paar Beispiele für die Verwendung von apt-get:

Paket "hello" installieren   apt-get install hello
Paket "hello" nur downloaden   apt-get -d install hello
Source des Paketes "hello" holen   apt-get source hello
Paket "hello" deinstallieren   apt-get remove hello
Liste verfügbarer Updates holen   apt-get update
Paket "hello" updaten   apt-get upgrade hello
Upgrade der dselect-Paketliste   apt-get dselect-upgrade
Gesamte Distribution updaten   apt-get dist-upgrade
Befehl "dist-upgrade" simulieren   apt-get -s dist-upgrade
Installation überprüfen   apt-get check

Auch existieren mit aptitude, console-apt und gnome-apt Frontends zur Bedienung von APT.

Konfiguration des Systems

Alle systemweiten Konfigurationsdateien finden sich unter /etc. Für einige gibt es praktische Konfigurationsskripte, die den Einstieg sehr vereinfachen. Hier eine Auswahl der vorhandenen Skripte:

apacheconfig Webserver Apache
eximconfig Mailserver exim
gpmconfig Maus-Einstellungen für die Konsole
kbdconfig Tastatur einrichten
liloconfig Bootmanager LILO konfigurieren
magicfilterconfig Drucker
pppconfig Verbindung zum ISP anlegen
tzconfig Zeitzone

Welche (weiteren) im Einzelnen zur Verfügung stehen, ist abhängig von den installierten Paketen. Prinzipiell sind sie über den Befehl "ls /usr/sbin/*config" zu finden.

Weitere Hilfen zu Debian

Neben der üblichen Dokumentation unter /usr/share/doc/ gibt es weitere Debian-spezifische Hilfen:

Antworten zu häufig gestellten Fragen bietet die Debian-FAQ [9]. Wer das Paket doc-debian installiert, findet diese FAQ auch unter [10] auf der eigenen Festplatte. Zu Linux gibt es weitere Dokumentation in den Paketen doc-linux-text (englische Textdateien) bzw. doc-linux-html [11], sowie auf deutsch im Paket doc-linux-de [12].

Auf die lokal verfügbaren Hilfen ist auch ein Zugriff über einen installierten Webbrowser möglich. So bietet das Paket "dwww" eine HTML-basierte Suchmaschine [13], die verschiedene Informationsquellen berücksichtigt. Über eine ähnliche Funktionalität verfügt das Programmpaket dhelp.

Umfangreiches Informationsmaterial bietet ebenso das "Debian Documentation Project" [14]. Davon ist für Einsteiger besonders das Buch "Debian GNU/Linux: Guide to Installaton and Usage" interessant, das auch komplett online gelesen werden kann [15]. Eine Bücherliste mit Debian-spezifischer Literatur gibt es unter [7].

Es existieren zu Debian eigene Mailinglisten [16]. Diese werden archiviert [17] und können somit auch später noch nachgelesen werden. Deutschsprachigen Anwendern steht eine spezielle Mailingliste [18] zur Verfügung, die ebenfalls eine Recherchemöglichkeit [19] bietet. Zudem ist die FAQ dieser Mailingliste im WWW abrufbar [20], und beantwortet so die ein oder andere Frage auch ohne Listenabonnement.

Hilfreich kann auch die Paketsuchmaschine [21] sein. Mittels dieser können Informationen über ein Paket, den aktuellen Stand seiner Entwicklung sowie die Downloadquellen in Erfahrung gebracht werden.

Und wer einfach nur informiert bleiben möchte wirft hin und wieder einen Blick hinüber zum DebianPlanet [22].

[ 1] http://www.de.debian.org/intro/free.html
[ 2] http://www.de.debian.org/social_contract.html#guidelines
[ 3] http://www.de.debian.org/doc/debian-policy/index.html
[ 4] http://www.pathname.com/fhs/
[ 5] http://www.debian.org/CD/vendors/#de
[ 6] http://www.de.debian.org/releases/stable/i386/install.de.html
[ 7] http://www.debian.org/doc/books
[ 8] man 5 sources.list
[ 9] http://www.de.debian.org/doc/FAQ/
[10] /usr/share/doc/debian/FAQ/index.html
[11] /usr/share/doc/FAQ/Linux-FAQ.html
/usr/share/doc/HOWTO/index.html
[12] /usr/share/doc/LANG/de/
[13] http://localhost/dwww/
[14] http://www.de.debian.org/doc/ddp
[15] http://www.newriders.com/debian/html/noframes/
[16] http://www.de.debian.org/MailingLists/subscribe
[17] http://lists.debian.org/
[18] mail -s "subscribe" debian-user-german-request@lists.debian.org < /dev/null
[19] http://lists.debian.org/users.html
[20] http://www.sylence.de/dudfaq/
[21] http://www.de.debian.org/distrib/packages
[22] http://www.debianplanet.org/

Gerfried Fuchs   dcouli@alfie.ist.org

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